51tUVh5Y39L._SX312_BO1,204,203,200_

Der neue Band der Reihe Paulsen/Haverkorn beschäftigt sich mit einem finsteren Kapitel deutscher Geschichte, das mir in dem Ausmaß nicht bekannt war: Die Misshandlung von Kindern und Jugendlichen in Heimen und geschlossenen Jugendwerkhöfen in der ehemaligen DDR.

Einbettet sind diese bitteren Wahrheiten in einen alten Mordfall: Auf Bargsand, einer kleinen Insel in der Elbmarsch wird ein altes Skelett im Schlick gefunden. Die Art und Weise, wie er vergraben ist, verrät der jungen Polizistin Frida Paulsen und ihrem Kollegen Bjarne Haverkorn, dass es sich nicht um einen Unfall, sondern um Mord handelt. Doch wer ist der Tote? Und warum hat ihn all die Jahre niemand vermisst?

Neben den Ermittlungen wird auch die private Gesichte von Frida und ihren Freunden Milan und Jo weitererzählt. Die Freunde suchen ein neues Heim für ihren Boxclub und der soll ausgerechnet auf den Apfelhof von Fridas Eltern umziehen. Außerdem gibt es eine unheimliche Begegnung im Pferdestall. Wir erfahren auch Neuigkeiten über Haverkorn und seine Tochter Henni. Dabei den privaten Themen kommt jedoch der Kriminalfall nie zu kurz, der sehr abwechslungsreich und voll überraschender Wendungen ist. Die ganze Zeit ist die Gegend um die Elbmarsch sehr schön beschrieben und man fühlt sich tatsächlich dorthin versetzt. Dieser Teil hat mir besonders gut gefallen.

Zwischendurch wird die Geschichte eines Jungen erzählt, der erst in verschiedenen Kinderheimen der ehemaligen DDR und dann im berüchtigten Jugendwerkhof Torgau untergebracht war. Die Autorin hat die schreckliche Geschichte der als „Umerziehung“ titulierten systhematischen Erniedrigung und Folter der jungen Menschen am Beispiel dieses Jungen hervorragend erzählt. Ich muss gestehen, dass ich es kaum ertragen konnte zu lesen, dass ich es aber sehr wichtig finde, darüber aufzuklären, damit so etwas hoffentlich nie wieder passiert.

Alles in allem ein sehr gelunges Werk!

o

geschrieben am 21.03.2021

o

o

 

51RONAI2m8L._SX312_BO1,204,203,200_

Hauptfigur in TOTE VÖGEL SINGEN NICHT ist der windige und notgeile Anwalt Cosinus Gaus. Von einem tyrannischen Vater aufgezogen fühlt er keine Empathie. Menschen sind für ihn nur Mittel zum Zweck. Frauen werden in erster Linie nach ihrer Betttauglichkeit beurteilt und Mandanten dienen ihm als Geldquelle, wobei ihm Recht und Gesetz gleichgültig sind. Trotzdem ist Gaus notorisch pleite.

Eines Nachts wacht Cosinus Gaus neben der Leiche einer jungen Frau auf und kann sich an den letzten Abend nicht mehr vollständig erinnern. Wegen einer seltenen Krankheit hat er regelmäßig Ohnmachtsanfälle. Jetzt muss er den Mörder der Frau finden, bevor die Polizei Gaus findet.

Was sich nach einem guten Thriller anhört, entpuppt sich als Enttäuschung. Der durchaus interessanten Figur des Cosinus Gaus fehlt ein Gegenpart. Wie schön wäre es gewesen, zwischendurch die Perspektive einer Frau zu lesen! Vielleicht einer klugen Ermittlerin, die Cosinus Gaus auf den Fersen ist. Der Leser hätte Abwechslung gehabt, es hätte interessante Zwischenspiele und Konflikte geben können. So wirkt die Geschichte auf die Dauer einseitig. – Die Dosierung macht das Gift. Hier ein Gaus – Overkill. Durch die einseitige Perspektive wurde viel Potenzial verschenkt. Auch hätte der Anwalt wenigstens gerissen sein können oder mit juristischen Feinheiten überraschen. Leider hat man im ersten Teil des Buches schon alles über ihn erfahren und es verändert sich kaum noch etwas.

Was mich sehr gestört hat, war die Angewohnheit des Autors, Dialoge zu überspringen. Gaus trifft eine Zeugin/einen Zeugen und der Leser erfährt nur, dass dieser etwas Interessantes erzählt hat. So wird dem Leser jede Chance zum Miträtseln genommen, es kommt keine SUSPENSE auf. Hier hätte das Lektorat einschreiten müssen.

Außerdem schließe ich mich meinen Mitrezensenten an, dass diese Geschichte ein Kriminalroman und kein Thriller ist. Bei einem Thriller geht es darum, ein Geschehen zu verhindern, bei einem Krimi darum, einen Fall aufzuklären. Es kommt leider, - da der Leser kaum die Chance hat, sich mit der Figur zu identifizieren und mit ihr mitzufiebern, – keine Spannung auf. Dem saloppen Spruch des Autors, in jedem Menschen stecke ein wenig von Cosinus Gaus, wage ich zu widersprechen: Ich bin mir ziemlich sicher, dass in mir - und auch in den meisten anderen Frauen - keine Spur von Cosinus Gaus steckt. Und hier kommen wir zum nächsten Kritikpunkt: Frauenfeindlichkeit.

Auch wenn vielleicht nicht beabsichtigt, kommt die Geschichte frauenfeindlich daher. Nicht unbedingt durch die Perspektive des Cosinus Gaus, der in seiner Darstellung überspitzt und daher nicht erstzunehmen ist. Aber dadurch, dass unglaubwürdigerweise alle Frauen mit ihm schlafen wollen, bekommt er dann doch eine Art „Heldenimage“. Dann wird dir Selbstironie unglaubwürdig. Selbst die lesbische Frau hat Sex mit ihm – Tut mir leid, aber das geht gar nicht. Ein starker Frauenpart hätte hier die weibliche Leserschaft versöhnen können. So kann ich nur folgern, dass die Zielgruppe des Buches Männer sind. Bei mir kommt diese Möchte-gerne-James-Bond-Manier jedenfalls nicht gut an.

Und zuletzt: Dass ein in die Mathematik vernarrter Vater seinen Sohn Cosinus nennt, ist witzig. Dass er den anderen Sohn Sinus nennt, geht leider gar nicht. Hier fühlt sich der Leser für dumm verkauft. Und das ist leider auch mein Fazit des Buches.

.

geschrieben 27.02.2021

.

.

.

 

71zzfVw1R-L._AC_UY218_

Mit Grenzfall - Der Tod in ihren Augen startet die Autorin Anna Schneider, auch bekannt als Anna Simons und Anna Martens, eine Serie von Ermittlerkrimis in der deutsch/österreichischen Alpenregion. Das Besondere daran ist sicherlich das Zusammenspiel von deutscher und österreichischer Polizei, die ich so in noch keinem Krimi gelesen habe. Ich bin eh ein Fan von Ermittlerkrimis, aber diese Kooperation (und manchmal auch fehlende Kooperation) war ein zusätzlicher Spannungsfaktor.

Der Krimi startet mit einem grausigen Fund: einem abgetrennten Fuß. Warnung an der Leser: Bitte bei den ersten Kapiteln nicht essen. Denn die Leiche der jungen Frau, um die es in den Ermittlungen geht, wurde zerstückelt. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, wurden ihre Körperteile auf zwei Länder verteilt. Was ziemlich abgedreht klingt, ergibt am Ende aber tatsächlich Sinn.

Sehr interessant fand ich das ungleiche Ermittlerpaar. Auf deutscher Seite, Oberkommissarin Alexa Jahn. Sie ist frisch in die Urlaubsregion versetzt worden und kennt sich in den Bergen überhaupt nicht aus. Mit ihren Kollegen hat sie keinen leichten Start und wird von ihrem Chef direkt ins kalte Wasser geworfen, als sie die Ermittlungen leiten muss.

Ihr Gegenpart, Bernhard Krammer, ist Chefinspektor in Innsbruck. Die Polizeiarbeit hat ihn desillusioniert und mürbe gemacht. Am Anfang wirkt er alt und kaputt. Man fragt sich, ob er so einem schrecklichen Fall überhaupt gewachsen ist. Doch schon bei der Vernehmung des ersten Verdächtigen zeigt er, dass er auch hart wie Granit sein kann. Das Zusammenspiel der beiden ist wirklich einzigartig und hat mir sehr gut gefallen!

Bisher habe ich von der Autorin nur Thriller gelesen und GRENZFALL ist definitiv mein Lieblingsbuch von ihr. Nicht nur, weil ich Ermittlerkrimis liebe. Es ist auch handwerklich sehr gut gemacht und auf jeder Seite spannend. GRENZFALL ist vergleichbar mit den Kaspary/Wenninger Krimis von Ursula Poznanski und der Pauslen/Haverkorn Reihe von Romy Fölck. Anscheinend müssen wir auch nicht lange auf den nächsten Teil der GRENZFALL Serie warten, denn das Buch enthält bereits eine Leseprobe. Ich freue mich schon auf Teil 2 !!!
.
geschrieben am 17.02.2021
.
.

51KzKwyWGpL._SY346_

Der Therapeut - Ein Psychothriller aus London

Ich mag britische Krimis. Sehr gerne lese ich die Bücher von Elisabeth George, aber auch die Detektivromane von Arthur Conan Doyle, oder Regio-Krimis, die z.B. in Cornwall spielen. Jetzt habe ich ein neues Buch von der Insel gelesen: „Der Therapeut“ – Ein (relativ) unblutiger Psychothriller

"Der Therapeut" spielt in London und Autor Matthias Ernst fängt dieses Lebensgefühl - very british - gut ein. Sir Edmund Hathaway und seine Mutter, Lady Hathaway, sind klasse Figuren. Der gute Sir Edmund ist wegen Zwangsgedanken in Therapie und bekommt im Laufe des Thrillers eine bedeutsame Rolle.

Die Hauptperson ist natürlich „der Therapeut“ Dr. Burgess, Ein Psychiater, der am Anfang in seinem Job und seinem Leben nicht so recht angekommen scheint. Mit dem Kauf eines Praxisanteils hat er sich finanziell arg aus dem Fenster gelehnt. Er hat bisher im Krankenhaus praktiziert und nun sind seine Klienten gutbetuchte Londoner mit Luxusproblemen, in die er sich nicht gut einfühlen kann. Sehr genial ist hier die Anfangsszene mit Patient Sir Edmund! Wer mal in die ersten Seiten skippt, will sofort weiterlesen.

Dr. Burgess bekommt ein Problem, als ein anderer Patient von ihm Selbstmord begeht. Von der Klatschpresse als Mörder hingestellt, versucht er dem Tod des Patienten auf den Grund zu gehen. Er bekommt ein Traumtagebuch in die Hände gespielt. Aber erst auf Drängen seiner Tochter Poppy, die auch eine interessante Rolle im Buch spielt, beschäftigt er sich ernsthaft damit. Jetzt geht es um Sigmund Freud, seine Traumdeutung und dessen Bedeutung für das Unbewusste. Der Autor, selbst Fachmann für Psychologie, webt die Freudsche Traumdeutung in die Handlung des Thrillers ein. So etwas lese ich ja super gerne! Total interessant.

Dr. Burgess und seine Tochter begeben sich auf eine Suche ins Unbewusste, doch leider haben sie mächtige und einflussreiche Gegner. Und diese haben kein Interesse daran, dass die wahren Umstände von Tod des Patienten aufgedeckt werden. FAZIT: MUST READ!

geschrieben am 22.01.2021

Cover.Hoffmann und Campe.2020

Aus dem Schatten des Vergessens - Mein erster kanadischer Thriller!

Klappentext:

Montreal, heute: Am Tag vor Weihnachten wird Judith Harper, eine renommierte Psychologin, auf grausame Weise umgebracht. Zur gleichen Zeit verschwindet Nathan Lawson, ein angesehener Anwalt, nachdem er in Panik Dokumente auf einem Friedhof vergraben hat. Wenig später stürzt sich ein Obdachloser von einem Wolkenkratzer. Im Mantel des Obdachlosen: die Brieftaschen von Harper und Lawson.
Als Sergent-Détective Victor Lessard, der selbst ein Getriebener ist, gemeinsam mit seiner Partnerin Jacinthe Taillon die Ermittlungen aufnimmt, wird den beiden eine verstörende Aufnahme zugespielt, auf der die Stimme von Lee Harvey Oswald zu hören ist, dem Mann, der einst J. F. Kennedy erschoss und der jetzt aus dem Grab zu ihnen spricht. Lessard und Taillon stehen vor einem Fall, der sie in die dunkelsten Abgründe sowohl der menschlichen Seele als auch der amerikanischen Geschichte führt.

Eine Frau steckt in einem mittelalterlichen Folterwerkzeug. Bewusst macht sie den Schritt über eine rote Linie und stirbt. Ein Obdachloser steht auf dem Dach eines Hochhauses, die herbeigerufenen Polizisten können seinen Tod nicht mehr verhindern. Der Thriller „Aus dem Schatten des Vergessens“ startet gleich mit rasanter Aktion. Am Anfang muss man sehr konzentriert lesen, um die ganzen Personen nicht durcheinander zu bringen. Hier hatte ich anfangs meine Schwierigkeiten. Dann wird man aber in die Ermittlungen von Victor und der temperamentvollen Jacinte hineingesogen. Die beiden sind keine typischen Helden. Sie haben beide ihre Macken und sind daher sehr sympathisch und menschlich.

Das Buch ist spannend geschrieben, mit kleinen Längen zwischendurch. Ich fand es toll, mal einen Thriller aus Kanada zu lesen. Gerade mit dem Bezug zur amerikanischen Geschichte und zum Kennedy-Mord. Ein wenig verwirrt war ich durch die Andeutungen zur Vorgeschichte von Viktor. Mehrere Male im Buch hatte ich das Gefühl nicht den ersten, sondern den zweiten Teil einer Reihe zu lesen. Alles in allem hat es mir aber gut gefallen!
o

geschrieben am 19.12.2020
o
o
o
o

Cover. Fischer. 2020

"Heute schon für morgen träumen" ist genauso schön wie das Cover es verspricht.

Die neunundzwanzigjährige Emilie Fontana lebt mit ihrem Vater und dessen Schwiegermutter Nonna Rosa in einem kleinen Ort in Amerika und arbeitet in der Familienbäckerei. Für ihre Familie tut sie alles, doch dafür wird sie nicht wertgeschätzt, im Gegenteil: Emilie eine Art Arbeitstier und wird auch von ihrer Schwester gerne als Babysitterin und Bäckerin missbraucht. Es scheint das unausgesprochene Gesetz zu geben, dass Emilie, - oder Em, wie sie von ihrem guten Freund Matt genannt wird – nicht das Recht auf ein eigenes Leben hat. Dann alle zweitgeborenen Frauen der Familie sind verflucht. Sie werden niemals heiraten und Kinder bekommen, sondern enden allein.

Em betont, dass sie nicht an den Fluch glaubt, und doch beeinflusst er ihr Leben. Auch auf das ihrer Cousine Lucy, die sich jedem Mann an den Hals wirft.

Die Situation ändert sich, als Emilies Tante Poppy sie und Lucy auf eine Reise durch Italien einläd. Denn Poppy möchte ihre große Liebe wiederfinden und gleichzeitig auch das Leben ihrer Nichten auf den Kopf stellen. Und natürlich gelingt ihr das auch. Die drei Frauen dabei zu begleiten ist eine tolle Reise auch für den Leser.

Das Buch hat mir gut gefallen. Es ist kurzweilig und anregend und handelt von unterschiedlichen Frauen, die jede auf ihre Weise zu sich selbst finden. Und natürlich von der Liebe.

Eine klare Leseempfehlung!

 

geschrieben 23.08.2020

 

 

 

 

Cover. Midnight by Ullstein

Arrivederci Amici

Florentinische Morde ist ein ganze besondere Krimireihe, dich mir ziemlich an Herz gewachsen ist. Natürlich durfte ich auch deshalb den neusten Band von Beate Boeker nicht verpassen.

Wie auch die anderen Bücher lebt Arrividerci Amici von dem Charme der heimlichen Hauptdarstellerin, der verrückt-chaotischen italienischen Großfamilie Mantoni.

Die diesem Band stirbt ein Füllfederhaltersammler. Er war extrem und genial, aber bei seinen Freunden und Feinden gleichermaßen verhasst. Selbst seine Frau ist glücklich über seinen Tod, und hatte ihn eigentlich verlassen wollen. Trotzdem glauben alle an einen Unfall. Nur die gelangweilte Annalisa Matoni ist überzeugt, dass es sich um einen Mord handelt, und betätigt sich als Detektivin. Ihr Verhalten zwingt Commissario Stefano Garini dazu, selbst zu ermitteln. Sie bringt sich und alle anderen in große Schwierigkeiten. Dabei hat Stefano Garini eigentlich andere Sorgen, denn er hat sich heimlich mit Carlina verlobt, doch so etwas bleibt bei den verrückten Mantonis nicht lange ein Geheimnis. Mir hat der neue Band insgesamt wieder sehr gut gefallen!

 

geschrieben am 01.06.2020

 

 

Cover.BasteiLübbe.2019
Cover.BasteiLübbe.2019

Mördergene

Nebeljagd ist der zweite Band von Julia Hofelich um die junge Anwältin Linn Geller. Linn hat zusammen mit ihrem guten Freund Götz eine Kanzlei in Stuttgart, und scheinbar gerade die erste Krise überwunden, als sie einen gefährlichen Mandanten vertreten soll. Angeblich hat Haug zwei Morde begangen. Einen an seiner alten Pflegemutter und einen anderen vor vielen Jahren an einer jungen Frau. Diese soll er getötet und ausgeweidet haben.

Linn ist eine taffe Anwältin, doch dieser Fall bringt selbst sie an ihre Grenzen. Ihr tut der Mandant leid, der sein Leben lang ausgegrenzt wurde, doch als sie die Chance bekommt, ihn aus der Haft freizubekommen, zögert sie. Kann sie es verantworten, dass ein Mörder frei herumläuft? Um die Frage zu beantworten, ob ihr Mandant schuldig ist oder nicht, muss sie selbst ermitteln und gerät in Gefahr.

In Nebeljagd wird thematisiert, ob es Mördergene gibt. Das Buch spürt der Frage nach, was den Menschen zum Mörder macht. Ist es genetische Disposition? Ein Erbe, dass man von den Eltern bekommt und gegen das man sich nicht wehren kann? Und welche Auswirkungen hat es auf einen Menschen, wenn er sein ganzes Leben lang für einen Verbrecher gehalten wird? Wird er dann zwangsläufig zum Verbrecher wie eine selbsterfüllende Prophezeiung?

Der Krimi ist spannend und man bekommt einen interessanten Einblick in die Arbeit einer Anwältin. Das hat mir - wie auch schon in Totwasser - sehr gut gefallen. Nebeljagd allerdings fand ich im Vergleich zum Vorgänger zu düster und boshaft. Ich hätte mir mehr sympathische Charaktere gewünscht. Sonst ist Nebeljagd ein spannender, gut gelungener Krimi, der mit einem überraschenden Ende aufwartet.

 

geschrieben 27.03.2020

 

 

 

Cover. Emons 2020
Cover. Emons 2020

Tödlicher Lindenweiher

Der Oberschwabenkrimi „Mord im Dörfle“ spielt in Biberach und ist der erste Regio-Krimi von Matthias Ernst, der nicht aus der Inge Vill Reihe stammt. Ich war sehr gespannt auf dieses Buch. Obwohl ich Inge Vill und ihre Kollegen sehr mag, ist es immer schön, völlig neue Figuren kennenzulernen. Auch das Team von „Mord im Dörfle“ ist interessant und sympathisch und ich kann mir das Buch gut als Start einer neuen Reihe vorstellen. Da ist die junge Polizistin Linda, die Twingo fährt, und eifrig, manchmal auch unsicher ist. Auf der anderen Seite Tobias Wellmann, ihr ehemaliger Lehrer, zu dem sie aufblickt, der sie aber – gerade am Anfang des Buches – oft enttäuscht. Denn Wellmann trägt einigen Ballast mit sich herum und nicht zuletzt muss er regelmäßig zur Urinkontrolle beim Hausarzt und darf nicht Auto fahren.

Der Konflikt zwischen den beiden macht das Buch schon zu Anfang spannend. Auch der Kriminalfall hat es in sich. Zwei Jugendliche haben in Romeo-und-Julia-Manier scheinbar Selbstmord begangen, der Leser erfährt jedoch schon auf den ersten Seiten, dass das nicht stimmen kann.

Bald kommen auch noch Drogen ins Spiel und der Kreis der Übeltäter wird größer und größer. Mir hat der Krimi „Mord im Dörfle“ sehr gut gefallen. Er ist durchweg spannend und überrascht den Leser des Öfteren durch überraschende Wendungen. Auch kurz vor Schluss ist man sich nicht sicher, ob der Fall jetzt wirklich gelöst ist.

Toll fand ich auch den Literaturbezug zu Romeo und Julia und Freunde der Serie Breaking Bad werden auch auf ihre Kosten kommen. Insgesamt ist es einfach ein rundum gelungener Krimi, der dem Leser mit vielen mundartlichen Akzenten die Oberschwäbische Region näher bringt. Quasi eine kleine Reise auf dem Sofa.

 

geschrieben 13.02.2020

 

 

Cover. Midnight 2019

Der Mörder war wieder der Gartenzwerg?

Der achte Fall für Steif und Kantig spielt wieder im Münsterland, im Dörfchen Oberherzholz. Isabella Steif und Charlotte Kantig sind zwei pensionierten Lehrerinnen, die auf einen seltsamen Fall rund um ein neues Gartencenter stoßen. Seltsame Dinge gehen dort vor sich. Erst wird Charlotte Kantig scheinbar von einem herabfallenden Ast getroffen. Wenig taucht die Leiche einer jungen Frau auf.
Die beiden alten Damen beschließen, ihre Gärten auf Vordermann zu bringen und nutzen die Zeit im Gartencenter für Ermittlungen. Interessant ist, dass vier Jugendliche im Rahmen eines Drogen-Aussteiger-Programms dort arbeiten und die Tote offenbar gut gekannt haben.
Immer wieder müssen Isabella und Charlotte der Polizei auf die Sprünge helfen und auch das neue Familienmitglied Balu – ein Golden Retriever – entpuppt sich als unverzichtbar. Dank seiner Spürnase werden wichtige Hinweise gefunden und der Fall bekommt eine ganz neue Richtung.
Dieses Buch von Gisela Garnschröder hat mich wieder wunderbar unterhalten und ich empfehle es allen Fans von unblutigen Heimatkrimis.

 

geschrieben am 11.02.2020

 

 

 

Cover. Knaur 2020
Cover. Knaur 2020

Für die Idee der "Schnüfflerin" hat Anne von Vaszary 2016 das Krimistipendium der Mörderischen Schwestern bekommen. Zu Recht, denn die Story ist einzigartig und liebevoll entworfen.

Die 22jährige Nina Buck trifft sich mit ihrem One-Night-Stand Ricky in einem Restaurant, um ihm zu sagen, dass sie schwanger ist. Dort entrinnt sie nur knapp dem Tod. Für die Polizei ist sie eine Tatverdächtige und muss selbst aktiv werden, um den wahren Täter zu finden. Mir hat die Geschichte um Nina sehr gut gefallen. Sie ist keine typische Heldin, sondern ein zielloses junges Mädchen, das sich durchs Leben treiben lässt. Nach und nach verändert sie sich und entdeckt ihre Stärken.

Das Hauptthema, dem das Buch auch seinen Namen verdankt, ist Ninas Geruchssinn. Durch die Schwangerschaft nimmt sie alle Gerüche viel intensiver war. Gleichzeitig entstehen Bilder in ihrem Kopf, und so kann sie durch die Gerüche sowohl die Gegenwart als auch die Vergangenheit entschlüsseln. Hauptkommissar Koller ist ebenfalls ein einzigartiger Typ. Er scheint Hunde mehr zu mögen als Menschen und daher kommt ihm Ninas Geruchssinn gerade recht. Die beiden sind einfach ein tolles Team.

Nicht zuletzt ist auch der Fall in diesem unblutigen Krimi gut durchdacht und nicht vorhersehbar. Mir hat das Lesen viel Spaß gemacht!

 

geschrieben am 30.01.2020

 

 

 

Cover. btb 2019
Cover. btb 2019

Der Fund

Das Besondere an Bernhard Aichners Büchern ist der Schreibstil. Kurze, oft unvollständige Sätze, ein beinahe naiver Ton. So beginnt das Buch. Der Sound ist simpel und eingängig und charakterisiert durch seine Schlichtheit den weiblichen Hauptcharakter Rita Dalek. Rita ist eine Frau aus einfachen Verhältnissen, die in ihrem Leben schon Schlimmes erlebt hat, und in einer trostlosen Ehe feststeckt. Rita ist eine Supermarktverkäuferin, trotzdem alles andere als gewöhnlich. Ihr besonderes Talent: die Schauspielerei – eine Leidenschaft aus Kindertagen –, befähigt sie überhaupt erst, sich in das kuriose und gefährliche Abenteuer zu stürzen, das ihr bevorsteht.

Das Abenteuer und die Veränderung in Rita Daleks Leben beginnt mit dem Fund einer großen Menge Kokain in einer Bananenkiste. Rita hadert zuerst mit sich, doch tief drinnen weiß sie: Wenn es ihr jetzt nicht gelingt, ihr Leben zu ändern, wird sie es niemals schaffen. Rita handelt und erlebt die verrückteste, beste und auch schlimmste Zeit ihres Lebens.

Wie schon bei „Bösland“ wechseln sich Handlungsszenen mit Dialogszenen ab. Die Handlungsszenen schildern Ritas Sicht. Die Dialogszenen spielen zu einem späteren Zeitpunkt. Nach Rita Daleks Tod. Damit verrate ich kein Geheimnis, denn der Leser erfährt schon auf der ersten Seite des Krimis, dass Rita sterben wird. In den Dialogszenen versucht ein Polizist, den Mord an ihr aufzuklären.

Mir hat „Der Fund“ sehr gut gefallen, obwohl ich „Bösland“ ein wenig besser und raffinierter fand. Dafür ist es nicht ganz so harter Tobak wie „Bösland“, das dem zartbesaiteten Leser die schlimmsten Kapitel gleich am Anfang präsentiert. Klare Leseempfehlung! Gut zu verschenken.

 

geschrieben am 15.11.2019

 

 

 

Cover. Bastei Lübbe. 2019
Cover. Bastei Lübbe. 2019

Sterbekammer

von Romy Fölck

Sterbekammer ist der dritte Fall der sympathischen Ermittler Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn. Die beiden sind ein unterschiedliches Paar:

Sie ist noch ganz frisch bei der Mordkommission, wohnt bei ihren Eltern auf einem Apfelhof in der Marsch und pendelt nach Hamburg zur Arbeit. Er steht kurz vor der Pensionierung und hat gerade erst seine erwachsene Tochter kennengelernt, von der er lange Zeit nichts wusste. Trotz aller Unterschiede harmonisieren die beiden gut zusammen. Konflikte gibt es aber durch den neuen Chef der Mordkommission, der an seinem ersten Tag bereits für Ärger sorgt. Frida scheint er besonders auf dem Kieker zu haben.

In einer verfallenen Mühle in der Marsch wird ein Raum entdeckt, der wie eine Gefängniszelle anmutet. Paulsen und Haverkorn vermuten, dass eine Frau dort gefangengehalten wurde, die vor vielen Jahren verschwunden ist. Doch wo ist sie hin? Und wie ist der Besitzer der Mühle gestorben?

Die Ermittlungen in diesem Fall bringen sowohl die beiden Polizisten, wie auch den Leser an ihre/seine Grenzen. Abwechselnd wird aus Sicht von Paulsen und Haverkorn und hin und wieder auch aus Sicht der gefangenen Frau erzählt. Das lässt den Leser mit ihr mitfiebern und -leiden.

Sterbekammer ist ein Thriller und nichts für zartbesaitete Gemüter. Als solcher ist er sehr spannend und gut erzählt und die Autorin lässt den Leser mit allen Personen mitfühlen. Wer sich also ganz besonders gruseln möchte, ist hier bestimmt gut aufgehoben.

Zu empfehlen für Thriller-Fans, die trotz schlimmer Geschichten gut schlafen können 🙂

 

geschrieben, 01.10.2019

 

 

 

Cover. Tropen Verlag 2019
Cover. Tropen Verlag 2019

 

Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle

Wow! Einfach nur wow. Dieses Buch wird zurecht als der raffinierteste Krimi des Jahres bezeichnet. Ich bin total begeistert. Endlich mal wieder ein Buch, dass mich so richtig gefesselt hat.

Klappentext: Maskenball auf dem Anwesen der Familie Hardcastle. Am Ende des Abends wird Evelyn, die Tochter des Hauses, sterben. Und das nicht nur ein Mal. Tag für Tag wird sich ihr mysteriöser Tod wiederholen – so lange, bis der Mörder endlich gefasst ist

Familie Hardcastle lädt zu einem Ball auf ihr Anwesen Blackheath. Alle Gäste amüsieren sich, bis ein fataler Pistolenschuss die ausgelassene Feier beendet. Evelyn Hardcastle, die Tochter des Hauses, wird tot aufgefunden. Unter den Gästen befindet sich jemand, der mehr über diesen Tod weiß, denn am selben Tag hat Aiden Bishop eine seltsame Nachricht erreicht: »Heute Abend wird jemand ermordet werden. Es wird nicht wie ein Mord aussehen, und man wird den Mörder daher nicht fassen. Bereinigen Sie dieses Unrecht, und ich zeige Ihnen den Weg hinaus.« Tatsächlich wird Evelyn nicht nur ein Mal sterben. Bis der Mörder entlarvt ist, wiederholt sich der dramatische Tag in Endlosschleife. Doch damit nicht genug: Immer, wenn ein neuer Tag anbricht, erwacht Aiden im Körper eines anderen Gastes und muss das Geflecht aus Feind und Freund neu entwirren. Jemand will ihn mit allen Mitteln davon abhalten, Blackheath jemals wieder zu verlassen.

Gut, dass der Klappentext so interessant klingt, dann erstmal war ich ein wenig entäuscht vom ersten Protagonist Sebastian Bell, weil er so ein Feigling ist. Zum Glück wusste ich, dass eigentlich jemand anders in ihm steckt. Aiden Bishop erlebt immer wieder densselben Tage aus unterschiedlichen Perspektiven. Bald wird ihm klar, dass er nicht nur ein Rätsel lösen muss, sondern auch selbst gejagt wird.

Dieser intelligente und teilweise auch ziemlich brutale Krimi ist wie ein Puzzel. Immer wieder findet man Stückchen, die nicht zusammenpassen, legt sie zur Seite, findet neue. Laufend gibt es neue Wendungen, Rätsel werden gelöst , neue aufgeworfen. Eine Menge Leute sterben. Es wird immer komplizierter.

Aiden hat erst keine Lust auf dieses groteke Verwirrspiel und versucht zu fliehen. Doch irgendwann erkennt er, dass er nicht entkommen kann. Die unterschiedlichen Stärken und Schwächen seiner jeweiligen Wirte, der Facettenreichtum und die Tiefe der Charaktere machen das Besondere dieses Krimis aus. Immer wieder begegnet er auch Gegnern oder scheinbaren Verbündeten. Doch er kann niemandem trauen, nicht einmal sich selbst.

Der Leser folgt Aiden in die Abgründe von Blackheat Castle, deckt Verrat und Intrigen auf. Die spannenste Frage lautet: Ist es Aiden möglich, den Ablauf des Tages zu verändern?

Ich fand dieses Buch total genial und gebe eine unbedingte Leseempfehlung!

 

geschrieben am 15.09.2019

 

 

 

Cover. Midnight Ullstein 2019
Cover. Midnight Ullstein 2019

„Mord al Mare“ ist der fünfte Teil der Reihe „Florentinische Morde“ . Wieder einmal steht die symphatisch-verrückte Mantoni-Familie im Zentrum einer Mordermittlung. Dabei wollten Carlina und ihr Freund Commissario Stefono Garini eigentlich Urlaub machen. Und Carlina wäre nicht Carlina, wenn sie dabei nicht ihre gesamte Familie im Schlepptau hätte.

Doch schon zu Beginn des Urlaubs in Forte dei Marmi gibt es Probleme, denn der Hotelmanager hat gewechselt und der Neue entpuppt sich als wahres Ekelpaket. Die erste Katastrophe bahnt sich an, denn Tante Violetta kann nicht ihr übliches Zimmer beziehen. In der zweiten Nacht geschieht dann auch noch ein Mord und Carlinas junger Cousin ist tatverdächtig.

Um Carlina und ihre Familie zu schützen, muss Garini in die Ermittlungen eingreifen. Dabei gibt es Verdächtige ohne Ende und die Familie Mantoni ist wieder ganz vorne mit dabei.

Gewohnt humorvoll entführt uns der neue Krimi von Beate Boeker nach Italien – dieses Mal ans Ligurische Meer. Es gibt wieder zahlreiche Verdächtige und Verwicklungen. Fans von unblutigen Krimis, die eine leichte Urlaubslektüre suchen, werden hier voll auf ihre Kosten kommen.

geschrieben am 19.07.2019

 

 

Cover PIPER 2019
Cover PIPER 2019

WO IST JAY? - Astrid Korten

Klappentext: Eine junge Frau wird im Aachener Stadtgarten brutal zusammengeschlagen. Wenig später erliegt sie ihren Verletzungen. Nicht weit davon entfernt wohnt die Tierärztin Mia. Nach einem Girlfriend-Wochenende verschwindet Mias beste Freundin, die charmante, gut aussehende Jay de Winter, spurlos. Mia ist davon überzeugt, dass Jay ihre Familie nicht freiwillig verlassen hat, zumal die Tote aus dem Stadtgarten Jay verblüffend ähnlich sieht.
Wo ist Jay? Außer Mia, fragt sich das niemand. Die Freunde benehmen sich seltsam und scheinen etwas zu verbergen. Auf der Suche nach Jay beginnt für Mia ein Alptraum. Sie wird in ein Netz aus Lügen, Intrigen, Hass und Verrat verstrickt. Ein unbändiger Zorn bekommt Flügel und nichts ist, wie es scheint ...

 

WO IST JAY, am 02.07.19 bei PIPIER Digital erschienen, ist die überarbeitete Neuerscheinung des 2017 von Astrid Korten selbst pubilzierten Werkes mit gleichnamigem Titel.

Ich durfte es als Rezensionsexemplar lesen, wofür ich mich herzlich bedanke.

Ein WAZ Kommentar aus 2017 spricht von einem Verrat an der Freundschaft, der durch das Buch tost. Das hat mich neugierig gemacht. Und der Thriller hat mir tatsächlich gut gefallen. An einigen Stellen hätte ich als Protagonistin anders gehandelt, anders reagiert, aber okay. Der Charakter der Tierärztin Mia ist stimmig, auch wenn ihre Naivität und Gutgläubigkeit wider besseren Wissens den Leser manchmal nervt. Aber der Reihe nach:

Der Thriller startet gleich spannend und brutal. Der zartbesaitete Leser erscheidet schon beim Prolog, ob er das Buch weglegt, oder ob er mit der Brutalität klarkommt. Eigentlich geht es mehr um psychische Gewalt – was ich spannender finde als physische. Hin und wieder wird der Leser aber auch mit Szenen konfrontiert, die über das Erträgliche hinausgehen. Ich habe sie überblättert.

Der Freundeskreis spielt eine Hauptrolle. Im Verlauf des Buches wird er mehr und mehr demontiert. Das hat mich sehr gefesselt. Astrid Kortens Stärke ist sicherlich die Analyse menschlicher Beziehungen. Auch dass sie dem Leser nicht zuviele Deutungen in den Mund legt, sondern ihn selbst nachdenken lässt, hat mir gut gefallen.

Insgesamt ist WO IST JAY sicher ein lesenswertes Buch für Krimifans, die Gewaltschilderungen gut ertragen können.

 

geschrieben am 09.07.2019

 

 

Cover. S. Fischer 2019
Cover. S. Fischer 2019

Der Wal und das Ende der Welt von John Ironmonger ist eins der Bücher dieses Jahr, die mich wirklich tief beeindruckt haben.

In St. Piran, einem kleinen Dorf an der Küste von Cornwall, wird ein Wal und ein junger Mann an Land gespült. So beginnt die Geschichte, die teils von Joes Gegenwart, teils von seiner Vergangenheit erzählt. Er ist Mathematiker und hat für eine Bank, die auf fallende Aktienkurse wettet, ein Computerprogramm konstruiert, das Zusammenhänge erkennt und Vorhersagen treffen kann.

Joe und einige andere stellen sich folgende Frage: Kann das Programm auch einen Kollaps vorhersagen? Und was würde passieren, wenn das komplexe Wirtschaftssystem Englands bzw. der Welt tatsächlich zusammenbricht? Wie würden die Menschen reagieren, wenn sie plötzlich ums Überleben kämpfen?

Dann sagt das System den Kollaps vorher und Joe beschließt ein ganzes Dorf zu retten. Sein Plan ist klug und wahnwitzig zugleich, aber er tut es und hat unerwartete Hilfe dabei.

Die Geschichte um Joe und das Dorf und auch um seine Vergangenheit hat mich tief berührt. Gleichzeitig hat sie mich aber auch enorm gefesselt, da alles sehr realistisch erzählt wird. Man hat das Gefühl, dass es tatsächlich zu so einem Kollaps kommen wird. Wie Joe und das Dorf damit umgehen und welche Faktoren nötig sind, um so eine Krise herbeizuführen, möchte ich noch nicht verraten.

Es lohnt sich auf jeden Fall dieses Buch zu lesen! Es ist spannend, einfühlsam, warmherzig, witzig und lebendig erzählt. Ich bin total begeistert! Lesen, lesen, lesen!

 

geschrieben am 06.04.2019

 

 

 

Cover. Midnight by Ullstein 2019
Cover. Midnight by Ullstein 2019

Lottogewinner, leider tot

Schwabenschmerz von Matthias Ernst

Schwabenschmerz ist der vierte Teil der Krimireihe aus Oberschwaben um die sympathische Kommissarin Inge Vill.

Das beschauliche Feigenbach wird von dem Mord an Anton Gruibinger erschüttert. Der Rentner wird wenige Tage nach einem Lottogewinn mit unzähligen Messerstichen getötet. Wurde der Mord aus Habgier verübt oder steckt mehr dahinter?

Inge Vill nimmt die Ermittlungen auf, doch dieses Mal kann sie sich nicht auf ihr Team verlassen, denn ein neuer Kollege mischt sich in den Fall ein. Er hat es auf ihren Job abgesehen und versucht Inge bei den Ermittlungen auszustechen. Schuld daran trägt auch Chef Rudi Heckenberger, der sich ein perfides Spiel ausgedacht hat, um die beiden Konkurrenten gegeneinander auszuspielen.

Zum Sympathieträger entwickelt sich ausgerechnet Staatsanwalt Fink, der Ekel aus den ersten Bänden. Was im Folgeband noch daraus wird? Ich bin gespannt.

Eine heimliche Hauptrolle spielt hier – wie auch in den anderen Teilen der Inge Vill Reihe – die Psychologie. Der Leser merkt schnell, dass dem Autor das Seelenleben seiner Figuren am Herzen liegt. Mit großer Kenntnis und Feingefühl stellt er jeden Charakter mit seinen Stärken und Schwächen dar. Auch Inge hat immernoch an den Strapazen ihrer ersten Mordfälle zu knacken. Wie sie damit fertig wird – und ob ihr es gelingt, trotz Gegenwind aus den eigenen Reihen und familiärer Probleme den Fall zu lösen, erfährt der Leser am Ende des Buches.

Ich habe Schwabenschmerz innerhalb weniger Tage gelesen – obwohl ich nicht viel Zeit hatte. Ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen. Spannung und Humor gehen hier Hand in Hand.

 

geschrieben am 03.04.2019

 

 

 

Cover. Midnight by Ullstein 2019
Cover. Midnight by Ullstein 2019

Die Schwestern haben den richtigen Riecher

 

Mondschein, Morde und Moneten

Isabella Steif und Charlotte Kantig sind ein Team von zwei pensionierten Lehrerinnen, die hobbymäßig Morde aufklären. Sie wohnen nebeneinander in zwei Doppelhaushälften im ostwestfälischen Oberherzholz. Obwohl sie Schwestern sind und sich eigentlich gut verstehen, sind sie zwei total unterschiedliche Typen und so kommt es bei den Ermittlungen immer wieder zu Reibereien, was sehr unterhaltsam ist.

Im siebten Fall bekommen die beiden Ermittlerinnen einen tierischen Partner hinzu, den Hund Balu, der sie auf seine ganz eigene Art und Weise unterstützt. Zu Beginn findet er die Leiche einer jungen Frau auf einer Baustelle. Die beiden Schwester nehmen ihre Detektivarbeit auf und gehen der Polizei damit auf die Nerven, was ich immer sehr witzig finde.

Natürlich haben sie auch dieses Mal den richtigen Riecher – im übertragenen und im wörtlichen Sinne, da Balu eine ganz besondere Nase hat.

Wie Isabella auf den Hund kommt, ist auch eine schöne Geschichte. Als Leser entdeckt man eine bisher unbekannte Seite an ihr.

Mich hat der siebte Fall der Steig und Kantig Reihe wieder gut unterhalten. Ich finde die beiden Schwestern ganz großartig und wer Hunde gern hat, sollte diesen Teil auf jeden Fall lesen!

 

geschrieben am 22.02.2019

 

 

 

 

Cover. Droemer Knaur 2018
Cover. Droemer Knaur 2018

Der Verfolger von John Katzenbach ist der Nachfolgeroman des berühmten Thrillers Der Patient. Wieder spielt Psychoanalytiker Frederick Starks die Hauptrolle und die Widersacher aus dem „Patient“ treten erneut auf.

Zuerst ein paar Gedanken zu Nachfolgeromanen: Ist der Nachfolger noch nicht im ersten Teil angelegt, gibt es eine Schwierigkeit: Die Charaktere sind „auserzählt“. Sie haben sich entwickelt, sind durchs Feuer gegangen und haben ihre Wandlung durchgemacht. Kann man im Nachfolgeroman eine ähnliche Verwandlung erwarten? Höchstwahrscheinlich nicht.

Wenn ein Thriller ein großartiger Erfolg war: Wie ist es dann möglich, diesen mit einem Nachfolger zu übertreffen, oder auch nur das Niveau zu halten? Es ist schwierig. Gibt es eigentlich eine Fortsetzung, die mit mehr begeistert hat, als der erste Teil? Auf Anhieb fällt mir keine ein. Bei Krimireihen ist das etwas anderes. Da gibt es in jedem Buch einen neuen Fall. Jedes Buch steht quasi für sich. Aber die sind meist auch nicht als Einzelwerk geplant.

Wie man sicher bereits heraushört, hatte ich beim lesen vom „Verfolger“ so meine Schwierigkeiten.

Zu Beginn hat Katzenbach ein interessantes Szenario entworfen, das mich durchaus fesseln konnte. Der Thriller besteht aus drei Teilen und jedes Mal nimmt die Handlung eine Wendung. Leider muss ich sagen, dass mir der erste am besten gefallen hat. Vom zweiten und dritten Teil war ich eher enttäuscht. Zum einen ist die Idee „Frederick Starks auf der Flucht vor einem übermächtigen Gegner“ bereits in „der Patient“ vollständig durchgekaut worden. Was mich total genervt hat: Ständig rennt der intelligente Doktor sehenden Auges in die offensichtlichsten Fallen. Der häufigste Satz zu einer 13Jährigen: Bleib mal gerade im Auto sitzen. Ich muss noch was erledigen. (So redet man NICHT mit Teenagern. )

Zu allem Überfluss leidet der Thriller unter dem Manko amerikanischer Thriller: Alles wird durch Schusswaffen erledigt. Wer hat die größte Knarre? Wer schießt am schnellsten und wer kommt damit davon? Soweit so bekannt.

Am Schluss das unglaubwürdige Ende. Alles in allem leider eine Enttäuschung.

 

geschrieben am 07.01.19

 

 

 

Cover. Bastei Lübbe 2018
Cover. Bastei Lübbe 2018

Totwasser

Julia Hofelich

Als Jahresabschluss für 2018 habe ich eine kleine besondere Krimiperle für euch.

Totwasser von Julia Hofelich hat ein schlichtes unaufdringliches Cover. Es zeigt die raue Küste Südenglands, wo der Mord passiert, um den es geht. Ein Großteil der Handlung spielt Stuttgart. Der Ortswechsel und der dabei Verbundene Sprachwechsel ist reizvoll und mit ein paar englischen Redewendungen stilistisch gut gelöst.

Protagonistin ist die Anwältin Dr. Linn Geller, die nach einem schweren Unfall sowohl körperlich als auch seelisch gezeichnet ist. Zusammen mit einem befreundeten Anwalt versucht sie ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen und gründet eine neue Kanzlei. Ihr erster Fall hat es allerdings in sich. Sie soll eine junge Frau – ein Modell – verteidigen, das verdächtigt wird, ihren Ehemann – einen berühmten Seriendarsteller – umgebracht zu haben. Alle Indizien sprechen gegen die Ehefrau. Sie will sogar ein Geständnis ablegen, doch Linn Geller hat Zweifel. Sie will sich nicht so einfach mit diesem Geständnis abfinden. Sie ist eine Kämpferin und stürzt sie sich in die Ermittlungen. Sie fliegt nach England und befragt Zeugen. Auch lernt sie einen netten Polizisten kennen und beginnt sich für ihn zu interessieren. Diese kleine Lovestory ist unaufdringlich und hat mir sehr gut gefallen.

In der Vita der Autorin steht, dass sie Drehbuchschreiben studiert hat und genau das merkt man auch an ihrem Schreibstil. Die Dialoge sind interessant und auf den Punkt. Linn Geller ist eine tolle Hauptdarstellerin. Als Leser kann man sich sehr gut in sie einfühlen und mit ihr mitfiebern.

Die Perspektive aus Sicht einer Strafverteidigerin ist toll. Manchmal wirken die Situationen im Sinne der Spannung ein wenig konstruiert. Einige Fehler von Polizei und Staatsanwaltschaft konnte ich so nicht nachvollziehen und waren mir ein wenig too-much. Sonst ein sehr gutes Buch mit ein wenig Luft nach oben.

 

geschrieben am 30.12.2018

 

 

 

Cover Midnight by Ullstein 2018
Cover Midnight by Ullstein 2018

Einmal Mord, aber pronto!

Beate Boeker

Bei der liebenswerten und verrückten Familie Mantoni aus Florenz hängt der Haussegen schief. Der alte Onkel Theo hat eine neue Bekanntschaft. Eine sehr junge, sehr hübsche Frau, die jedoch von einem Dämon besessen zu sein scheint. Innerhalb kurzer Zeit schafft sie es, die gesamte Familie gegen sich aufzubringen und mit Fabbiola, der Mutter von unserer Heldin Carlina, verbindet sie gar eine Jahrzehnte alte Feindschaft.

Olga Ottima, Theos „Neue“, treibt es so doll, dass sogar die friedliebende Carlina ihr verzweifelt den Tod wünscht. Nur stirbt Olga dann tatsächlich und der Mantoni-Clan rückt wieder einmal ins Zentrum der polizeilichen Ermittlungen.

Wer könnte diese anders leiten, als Stephano Garini, Carlinas attraktiver Freund und Hauptkommissar? Natürlich will er nicht gegen die Familie seiner Liebsten ermitteln, doch sein Chef lässt ihm keine andere Wahl.

Wie auch die anderen Bände der florentinischen Morde von Beate Boeker ist dieser Teil leicht, lustig und gut wegzulesen. Der verrückte Mantoni-Clan macht wirklich Spaß und es ist immer wieder erstaunlich, wie sie es jedes Mal schaffen, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Ich mag diese Familie total. Jedes neue Buch zu lesen ist wie nach Hause zu kommen.

 

geschrieben 19.12.2018

 

 

 

Cover. Europaverlag 2018

Jan Stocklassa

Stieg Larssons Erbe - Ein hochspannender Tatsachenroman

Fast jeder kennt die Millenium Triologie des berühmten schwedischen Autors Stieg Larsson. Aber kaum einer weiß von seiner wahren Leidenschaft: Dem Kampf gegen den Rechtsextremismus. Und damit verbunden: Sein Interesse an dem Mord an dem schwedischen Ministerpräsident Olof Palme im Jahr 1986.

Der Journalist Jan Stocklassa schildert in seinem Tatsachenroman im ersten Teil diese Arbeit von Stieg Larsson, lässt Stieg Larsson selbst zum Hauptdarsteller eines Krimis werden. Es geht um Stiegs Recherchen zu einem Mord, der tatsächlich passiert ist und nie aufgeklärt wurde. Trotz Ermittlungen von Polizei, Säpo und LKA. Man muss beim Lesen sehr konzentriert sein, denn es geht um viele Namen, viele Verwicklungen, viele unterschiedliche Theorien. Trotzdem versteht Stocklassa es, diesen Stoff in kurzen Kapiteln sehr lebensnah und anschaulich zu schildern. Ich war stets gefesselt von dem Buch und konnte mich sehr gut in die Zeit und in Stieg Larsson selbst hineinversetzen.

Den berühmten Autor so gut kennenlernen zu dürfen, war ein ganz großen Highlight dieses Buches!

Im zweiten Teil geht es um Jan Stocklassas eigenen Recherchen. Er stößt auf Stieg Larssons Material und führt seine Ermittlungen weiter. Auch das ist spannend und als Stocklassa die Theorien später zusammenfügt, ist das Bild absolut stimmig und nachvollziehbar. Ich hoffe wirklich, dass die schwedische Polizei seinen Hinweisen nachgeht und bin gespannt, ob sich der Mord an Olof Palme mit Hilfe dieser jahrelangen akribischen Ermittlungen aufklären lässt.

Ein sehr gutes, sehr anspruchsvolles, unterhaltsames Buch!

 

geschrieben am 13.12.2018

 

 

 

Cover. Midnight by Ullstein
Cover. Midnight by Ullstein

Bodo Manstein

Die Tote in den Dünen

Der Krimi „Die Tote in den Dünen“ ist der dritte Teil der Sylt Krimis um den Journalisten Robert Benning.

Ich kannte die ersten beiden Teile nicht, trotzdem ist es mir sofort gelungen, in die Handlung einzusteigen, die von Beginn an fesselt und anschaulich geschildert wird.

Das Buch beginnt mit einem Toten und einem geheimnisvollen Schlüssel, den dieser um den Hals hängen hat. Der Obdachlose Gonzo findet diesen Schlüssel und wird so Teil einer Geschichte, die ihn noch teuer zu stehen kommen wird.

Ralph Schöne ist ein aussichtsreicher Bürgermeisterkandidat. Was verheimlicht er vor seiner Frau?

Robert Benning arbeitet an einer Reporte über das Rotlichtmillieu. Durch seine Freundschaft mit dem Polizisten Michael Hinrichs ist auch er von Anfang bei dem Fall dabei. Auch bei dem Prostituiertenmord, um den es später hauptsächlich geht. Ein wenig Extraspannung bringen die Probleme mit seiner Freundin, der Notärztin Beate.

Mord, enttäuschte Hoffnungen, Verwicklungen, Erpressung. "Die Tote in den Dünen" hat alle Zutaten, die ein guter Krimi braucht.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Es ist ein Regionalkrimi aus dem Genre Cosycrime – auch sehr gut lesbar für Leute, die es nicht blutig und brutal mögen. Die Handlung ist interessant und gemütlich. Eine gute Urlaubslektüre oder ein Buch für einen ruhigen Kaminabend und ein wenig Fernwehstimmung.

 

geschrieben am 12.12.2018

 

 

 

Cover Midnight by Ullstein 2018
Cover Midnight by Ullstein 2018

 

Thomas Ehrenberger - Weil ihr böse seid

„Weil ihr böse seid“ ist der dritte Teil der Serie um die LKA-Kommissarin und Profilerin Sarah Spielmann. Der Krimi startet rasant mit einem brutalen Verbrechen an einem Eishockeyspieler. Die Täter sind als Puppen verkleidet. Sie tragen Masken und sind dadurch sozusagen entmenschlicht. Diese Eigenschaft wird auch in den weiteren Taten dieser Puppen deutlich. Man spürt richtig, welche Macht diese Masken haben. Und der Leser wird so manches Mal durch die Brutalität geschockt, zu der die Täter fähig sind.

Thomas Ehrenberger hat hier einen rasanten Krimi geschrieben, der für meine Begriffe eher ein Thriller ist. Auch wenn es natürlich darum geht, wer hinter den grausamen Taten steht. Denn schnell wird deutlich, dass im Hintergrund ein Puppenspieler seine Fäden zieht. Ein geheimnisvoller Serientäter, der sich Luzifer nennt.

Sehr gelungen fand ich übrigens nicht nur die Krimihandlung, sondern auch die Nebenfigur der Schwiegermutter. Anders, als man vielleicht erwarten würde, übernimmt sie hier nicht die Rolle des „Schwiegermonsters“. Im Gegenteil: Mit ihrer fürsorglichen Art und den Tarotkarten bildet sie gewissermaßen den Gegenentwurf zum Serientäter, der für den Leser sehr wohltuend ist.

Insgesamt bin ich absolut begeistert von diesem Krimi, der ein großes Lesevergnügen war. (Nicht nur, weil es das erste Buch ist, dass ich mit meinem neuen Kindle gelesen habe.)

Wenn am Ende die Masken gelüftet werden, wartet noch eine Überraschung.

 

geschrieben am 30.11.2018

 

 

Limes Verlag, Random House 2018
Limes Verlag, Random House 2018

Der Zorn der Einsiedlerin

Fred Vargas

 

Fred Vargas zählt zu meinen Lieblingskrimiautorinnen. Ihre Krimis haben etwas ganz besonderes und wer schon mal einen von ihnen gelesen hat, der weiß, wovon ich spreche.

Kommissar Adamsberg ist ein „Wolkenschaufler“. Er hasst es, im Büro zu sitzen. Er denkt nicht nach, sondern er lässt seine Gedanken treiben. Trotzdem besitzt er einen messerscharfen Verstand, der zwar jedes Mal auf Abwege gerät, aber am Ende auf einzigartige adamsberg`sche Art die Fälle löst.

In seiner Brigade in Paris tummeln sich neben noch mehr Originale. Jeder hat Stärken und Schwächen und jeder wird geschätzt. Wer sie alle kennenlernen will, sollte sich die Zeit nehmen und mit den früheren Bänden von Vargas zu beginnen. Natürlich kann man den Zorn der Einsiedlerin auch für sich betrachtet lesen. Aber mit den Figuren ist es wie mit allem: Der erste Eindruck ist meist oberflächlich. Wer in die Tiefe gehen möchte, muss sich Zeit nehmen.

Adamsberg hat zwei Fälle zu lösen, bevor er in das Mysterium der Einsiedlerspinne eintaucht. Denn es sind drei Männer durch Spinnenbisse ums Leben gekommen. Und die Spinne tötet eigentlich nicht, darin sind sich die Arachnologen einig.

Welche Gemeinsamkeiten haben die Spinnen und mittelalterliche Einsiedlerinnen? Und welche Rolle spielt dieses Waisenhaus, aus dem zwei der Opfer stammen? Der neue Fall von Adamsberg wird wieder spannend, verrückt, verworren, herzergreifend und neblig. Und da ist noch eine Begegnung aus seiner Kindheit, die ihn belastet. Die mit der Einsiedlerspinne zu tun hat.

Danglard, sein engster Vertrauter wendet sich von ihm ab. Eine Amselfamilie ist in Gefahr.

Kurzum: Dieses Buch ist ein Muss für Fans von Fred Vargas und alle, die es werden wollen.

 

geschrieben am 18.11.18

 

 

Penguin Verlag, Random House 2018
Penguin Verlag, Random House 2018

 

VERBORGEN ist der brandneue Serienstart der Krimiautorin Anna Simons, die unter den Pseudonymen Anna Martens Thriller und Anna Schneider Jugendbücher schreibt.

Ärztin Eva Korell hat gerade ihren neuen Job in einem Gefängnis in München angetreten. Sie ist frisch getrennt und schleppt einige Probleme mit sich herum. Nach außen hin tritt sie stark und selbstbewusst auf – so wie es auch der Beruf von ihr verlangt. Sie wirkt auf den Leser sehr sympathisch – keineswegs abgehoben oder eingebildet, wie man es von einer Ärztin vielleicht erwartet. Sie setzt sich sehr für ihre Patienten ein. Manchmal ist sie selbst unsicher, was ihre neue Rolle angeht. Die Umgebung Gefängnis stellt sie vor große Herausforderungen und es werden ganz andere Dinge von ihr verlangt, wie früher im Krankenhaus. Manchmal muss sie sich vor ihren eigenen Patienten schützen.

Die Autorin Anne Simons lässt den Leser in diese unbekannte, faszinierende und manchmal auch verstörende Welt eintauchen. Sie scheint sich sehr gut dort auszukennen, denn der Leser nimmt ihr alles ab. Es wirkt authentisch. Sowohl die Schilderungen vom Gefängnisalltag, wie auch die der ärztlichen Arbeit. So eine andere Welt kennenzulernen bereitet mir immer großes Vergnügen. Mit Freunde habe ich die Haftanstalt Wiesmoor besucht und Eva Korell bei ihrer Arbeit zugesehen.

Im Buch VERBORGEN geht es um zwei sehr unterschiedliche Frauen. Einmal natürlich um Eva, die Serienheldin, dann aber auch um Nicole Arendt, die zweite Hauptfigur. Gerade in Nicole habe ich die Handschrift der Autorin (aus ihren Thrillern) wiedererkannt.

Nicole Arendt ist auf den ersten Blick nur Opfer. Sie ist die Frau eines Gefängnisinsassen, der sie jahrelang misshandelt hat. Trotzdem bleibt sie bei ihm und besucht ihn sogar im Gefängnis. Ihr Charakter ist vielschichtig angelehnt. So besitzt sie auch eine innere Stärke – einen harten Kern, der im Laufe der Erzählung offengelegt wird.

Das Zusammentreffen dieser beiden Frauen macht den Krimi zu einem Erlebnis. Insgesamt ist VERBORGEN ein großartiger Serienstart und ich kann allen Krimifans nur empfehlen, von Anfang an dabei zu sein!

 

geschrieben am 21.10.2018

 

Scherbennacht, 2018 Blanvalet, Verlagsgruppe Random House
Scherbennacht, 2018 Blanvalet, Verlagsgruppe Random House

Scherbennacht, von Nicole Neubauer

Scherbennacht ist das dritte Buch von Nicole Neubauer und es geht mit bekanntem und bewährtem Personal weiter.

Da ist Hauptkommissar Waechter mit seiner Messi-Wohnung und dem großen Herzen. Hannes Brandl, der Bad-Boy des Teams: Er vereint viele Widersprüche in sich: Aggressivität und Verletzlichkeit, Veganer, schleppt alte und neue Familienlasten mit sich herum. Der letzte Fall (Moorfeuer) hat ihn schwer mitgenommen und er ist noch nicht bereit für den Dienst, als er zurückkehren muss.

Elli ist mein Lieblingscharakter. Sie ist die Frau im Team. Eine Powerfrau, ein wenig übergewichtig, humorvoll und herzensgut, für mich die Seele des Teams. Die eine, die die schwierigen Männer zusammenhält. Eigentlich eine ganz normale Frau.

Der Hüter des Schweigens. Der Name sagt alles.

Der Fall, der die kleine Mordkommission dieses Mal an ihre Grenzen bringt, ist ein Polizistenmord im aufgeheizten München. Dort herrscht Ausnahmezustand. Kriegsschauplatz ist der Wohnungsmarkt. Ein Haus muss geräumt werden. Es gibt Proteste und eine Demonstration, die aus dem Ruder läuft. Hier kommt eine Spezialeinheit der Polizei zum Einsatz, die auch in den Mordermittlungen des Krimis immer wieder eine Rolle spielt.

Zu Beginn des Buches wird Leo Talhammer erschossen. Er war Drogenfahnder und einem Mann mit mafiösem Background auf der Spur. Immer wieder aber führen die Spuren des Verbrechens in die eigenen Reihen der Polizei. Und eine alte Schuld wird aufgedeckt.

Mir hat Scherbennacht sehr gut gefallen, was zum größten Teil an dem bemerkenswerten Schreibstil von Nicole Neubauer liegt. Er ist oft lakonisch, manchmal rotzig, ohne je niveaulos zu werden. Ihre Stärke sind treffende Vergleiche und Beobachtungen. So viel, was zwischen den Zeilen steht. Das ist Erzählkunst und macht Freude!

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und empfehle es weiter!

Wer die Reihe noch nicht kennt, dem würde ich vorher Kellerkind und Moorfeuer ans Herz legen. Der Erstling ist immer noch mein Lieblingswerk, auch wenn Scherbennacht dicht heranreicht. Moorfeuer war auch nicht schlecht, hat mic.h aber vom Thema nicht so angesprochen wie die anderen. Um den Lesegenuss abzurunden, sollte man es natürlich auch lesen.

Ich freue mich schon auf den vierten Band!

 

geschrieben am 22.09.18

Buchcover, Ullstein Buchverlage 2018
Buchcover, Ullstein Buchverlage 2018

 

Todeskäfig von Ellison Cooper

 

Sehr amerikanischer Thriller im Hollywoodstyle

 

Ein Mädchen wird in einem Käfig gefunden. Sie ist dort verdurstet. Der Täter hat sie über ein halbes Jahr dort gefangen gehalten und Versuche mit ihr durchgeführt. Für die Polizei legt er Sprengfallen aus und schnell wird klar, dass es sich um einen Serientäter handelt und dass er noch ein weiteres Mädchen in seiner Gewalt hat. Die Jagd beginnt.

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und fand den Sprecher Peter Lontzek große Klasse. Er hat eine angenehme Stimme und versteht es, die Spannung zu transportieren.

Die Hauptperson Sayer Altair ist FBI-Agentin und Wissenschaftlerin. Sie ist ein sympathischer Charakter und harmonisiert gut mit ihrem Partner Vic.

Cooper legt hier einen klassischen Thriller und Whodunnit vor, der vom Ablauf leider ein wenig vorhersehbar ist. Handwerklich ist er gut gemacht, immer kurzweilig und abwechslungsreich mit jeder Menge Action.

Die Handlung erinnert an einen Hollywood-Blockbuster und ist ganz klar auf die breite Masse zugeschnitten. Es werden keine Regeln gebrochen und keine Lesererwartung bleibt unerfüllt. Das Ende kommt mit viel Brimborium und Tamtam daher und schließlich noch eine große Portion Zuckerguss. Viele gängige Klischees werden verwendet – zu viele, für meinen Geschmack.

Mir haben die Ecken und Kanten dieses Thrillers gefehlt. Er war nicht unspannend, ich konnte ihn gut hören, aber auch genauso gut wieder weglegen, ohne dass es mir schlaflose Nächte breitet hätte. Ich hatte immer eine Ahnung, was als nächstes passiert und meistens wurde sie bestätigt.

Sicher, Wendungen sind drin, aber keine, die einen sprachlos zurücklässt. Dabei ist das Motiv des Killer durchaus bemerkenswert und schlüssig. Auch interessant.

Nur die Umsetzung war mir ein wenig zu amerikanisch. Zu sehr Hollywood. Mainstream, wie ein eingängiger Popsong.

Fazit: Ein Buch, dass mich stets gut unterhalten, aber wenig gefesselt hat.

geschrieben am 19.09.2018

Der Schatten von Melanie Raabe
Der Schatten von Melanie Raabe

Todesprophezeiung

Melanie Raabe, Der Schatten, btb 2018

Seit ich „Die Falle“ von Melanie Raabe gelesen habe, bin ich ein großer Fan der Autorin. Es war ein unglaublich tolles Debüt, das aus der Masse der Thriller hinaussticht. Ist es für einen Autor schön, immer an einem einzigen Werk gemessen zu werden? Mit Sicherheit nicht. Deshalb möchte ich betonen, dass ich es nur tue, weil mich „Die Falle“ so absolut begeistert hat. So sehr, dass es schwierig und vielleicht nahezu unmöglich ist, an diese Qualität heranzureichen oder sie zu übertreffen. Wobei ich sicher bin, dass Melanie Raabe das Zeug dazu hat.

Jetzt aber zu „Der Schatten“: Melanie Raabe weicht dieses Mal von Stil der beiden ersten Bücher ab. Sie verwendet nicht mehr die Ich-Erzählerin, sondern den personalen Erzähler.

„Der Schatten“ ist ein Thriller, wobei ich gestehen muss, dass wirkliche Spannung für mich erst in der zweiten Buchhälfte aufkam. Dann mochte ich es aber nicht mehr weglegen. Norah ist eine Kämpferin für Frauenrechte. Zornig, einsam, ein wenig verloren in Wien, wo sie gerade erst hingezogen ist. Journalistin, aber auch ein wenig naiv. Ich bin nicht richtig mit ihr warm geworden.

Von einer Bettlerin erhält sie eine merkwürdige Prophezeiung. Sie wird einen Mann töten, der ihr vollkommen unbekannt ist. Norah ist erst skeptisch, lässt sich aber später dann doch darauf ein.

Die Auflösung hat mir sehr gut gefallen. „Der Schatten“ ist mit Sicherheit ein gutes Buch. Leider ist für mich der Funken nicht richtig übergesprungen. Trotzdem gebe ich fünf Sterne, weil meine Erwartungshaltung so hoch war. Und man kann einem Buch nicht vorwerfen, dass es nicht „Die Falle“ ist.

 

geschrieben am 11.09.2018

Buchcover: Der Abgrund in dir (Diogenes Verlag 2018)

 

Der Abgrund in dir

von Dennis Lehane

Mein erster und definitiv nicht mein letzter Lehane

Ich bin so froh, dass ich dieses Buch als Rezensionsexemplar gewonnen habe, denn sonst hätte ich es bestimmt nicht gelesen. Klar, der Klappentext klingt interessant, aber das Cover hat mich nicht vom Hocker gerissen und den Autor kannte ich bis dato auch noch nicht.ABER dieses Buch hat mich echt begeistert. Und zwar noch nicht mal das erste Kapitel, in dem man erfährt, dass Rachel ihren Mann erschießt. Nein, eher die Kapitel danach, obwohl das Buch nach diesem Hammer-Einstieg ganz leise startet. Rachels Kindheit. Ihre Mutter, die sich weigert den Namen von Rachels Vaters zu verraten. Rachels Suche. Der erste Rückschlag. Lehane schreibt total interessant und den Reiz seines Schreibstils macht aus, dass man die Figuren nach und nach entdecken kann. Dass man ihnen erst glaubt und dann ihre Lügen aufdeckt. Und dass trotzdem alles stimmig ist. Dass man sie zwischendurch liebt und hasst.
Sie sind so real. Figurenzeichnung auch allerhöchsten Niveau. Lehane führt einen in die Irre und der Leser zweifelt nicht einen Moment lang an seiner Glaubwürigkeit.

Rachel Childs wird Reporterin und reist nach Haiti, um über die dortigen Naturkatastrophen zu berichten. Was sie dort erlebt, lässt sie aber als tief verwundeten Mensch zurück. Sie erleidet einen Zusammenbruch und traut sich nicht mehr aus dem Haus, geschweige denn Auto zu fahren oder ähnliches. Und ausgerechnet sie gerät dann in einen tödlichen Komplott.Rachel, die Hauptfigur, hat mir am besten gefallen. Es ist toll, in ihre Haut zu schlüpfen und in ihren Kopf zu blicken. Ein Leseerlebnis, dass man so leicht nicht mehr vergisst.
Ich empfehle das Buch uneingeschränkt weiter. Gerade auch und vor allem für Frauen!

 

geschrieben am 26.08.18