Scherbennacht, 2018 Blanvalet, Verlagsgruppe Random House
Scherbennacht, 2018 Blanvalet, Verlagsgruppe Random House

Scherbennacht, von Nicole Neubauer

Scherbennacht ist das dritte Buch von Nicole Neubauer und es geht mit bekanntem und bewährtem Personal weiter.

Da ist Hauptkommissar Waechter mit seiner Messi-Wohnung und dem großen Herzen. Hannes Brandl, der Bad-Boy des Teams: Er vereint viele Widersprüche in sich: Aggressivität und Verletzlichkeit, Veganer, schleppt alte und neue Familienlasten mit sich herum. Der letzte Fall (Moorfeuer) hat ihn schwer mitgenommen und er ist noch nicht bereit für den Dienst, als er zurückkehren muss.

Elli ist mein Lieblingscharakter. Sie ist die Frau im Team. Eine Powerfrau, ein wenig übergewichtig, humorvoll und herzensgut, für mich die Seele des Teams. Die eine, die die schwierigen Männer zusammenhält. Eigentlich eine ganz normale Frau.

Der Hüter des Schweigens. Der Name sagt alles.

Der Fall, der die kleine Mordkommission dieses Mal an ihre Grenzen bringt, ist ein Polizistenmord im aufgeheizten München. Dort herrscht Ausnahmezustand. Kriegsschauplatz ist der Wohnungsmarkt. Ein Haus muss geräumt werden. Es gibt Proteste und eine Demonstration, die aus dem Ruder läuft. Hier kommt eine Spezialeinheit der Polizei zum Einsatz, die auch in den Mordermittlungen des Krimis immer wieder eine Rolle spielt.

Zu Beginn des Buches wird Leo Talhammer erschossen. Er war Drogenfahnder und einem Mann mit mafiösem Background auf der Spur. Immer wieder aber führen die Spuren des Verbrechens in die eigenen Reihen der Polizei. Und eine alte Schuld wird aufgedeckt.

Mir hat Scherbennacht sehr gut gefallen, was zum größten Teil an dem bemerkenswerten Schreibstil von Nicole Neubauer liegt. Er ist oft lakonisch, manchmal rotzig, ohne je niveaulos zu werden. Ihre Stärke sind treffende Vergleiche und Beobachtungen. So viel, was zwischen den Zeilen steht. Das ist Erzählkunst und macht Freude!

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und empfehle es weiter!

Wer die Reihe noch nicht kennt, dem würde ich vorher Kellerkind und Moorfeuer ans Herz legen. Der Erstling ist immer noch mein Lieblingswerk, auch wenn Scherbennacht dicht heranreicht. Moorfeuer war auch nicht schlecht, hat mic.h aber vom Thema nicht so angesprochen wie die anderen. Um den Lesegenuss abzurunden, sollte man es natürlich auch lesen.

Ich freue mich schon auf den vierten Band!

 

geschrieben am 22.09.18

Buchcover, Ullstein Buchverlage 2018
Buchcover, Ullstein Buchverlage 2018

 

Todeskäfig von Ellison Cooper

 

Sehr amerikanischer Thriller im Hollywoodstyle

 

Ein Mädchen wird in einem Käfig gefunden. Sie ist dort verdurstet. Der Täter hat sie über ein halbes Jahr dort gefangen gehalten und Versuche mit ihr durchgeführt. Für die Polizei legt er Sprengfallen aus und schnell wird klar, dass es sich um einen Serientäter handelt und dass er noch ein weiteres Mädchen in seiner Gewalt hat. Die Jagd beginnt.

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und fand den Sprecher Peter Lontzek große Klasse. Er hat eine angenehme Stimme und versteht es, die Spannung zu transportieren.

Die Hauptperson Sayer Altair ist FBI-Agentin und Wissenschaftlerin. Sie ist ein sympathischer Charakter und harmonisiert gut mit ihrem Partner Vic.

Cooper legt hier einen klassischen Thriller und Whodunnit vor, der vom Ablauf leider ein wenig vorhersehbar ist. Handwerklich ist er gut gemacht, immer kurzweilig und abwechslungsreich mit jeder Menge Action.

Die Handlung erinnert an einen Hollywood-Blockbuster und ist ganz klar auf die breite Masse zugeschnitten. Es werden keine Regeln gebrochen und keine Lesererwartung bleibt unerfüllt. Das Ende kommt mit viel Brimborium und Tamtam daher und schließlich noch eine große Portion Zuckerguss. Viele gängige Klischees werden verwendet – zu viele, für meinen Geschmack.

Mir haben die Ecken und Kanten dieses Thrillers gefehlt. Er war nicht unspannend, ich konnte ihn gut hören, aber auch genauso gut wieder weglegen, ohne dass es mir schlaflose Nächte breitet hätte. Ich hatte immer eine Ahnung, was als nächstes passiert und meistens wurde sie bestätigt.

Sicher, Wendungen sind drin, aber keine, die einen sprachlos zurücklässt. Dabei ist das Motiv des Killer durchaus bemerkenswert und schlüssig. Auch interessant.

Nur die Umsetzung war mir ein wenig zu amerikanisch. Zu sehr Hollywood. Mainstream, wie ein eingängiger Popsong.

Fazit: Ein Buch, dass mich stets gut unterhalten, aber wenig gefesselt hat.

geschrieben am 19.09.2018

Der Schatten von Melanie Raabe
Der Schatten von Melanie Raabe

Todesprophezeiung

Melanie Raabe, Der Schatten, btb 2018

Seit ich „Die Falle“ von Melanie Raabe gelesen habe, bin ich ein großer Fan der Autorin. Es war ein unglaublich tolles Debüt, das aus der Masse der Thriller hinaussticht. Ist es für einen Autor schön, immer an einem einzigen Werk gemessen zu werden? Mit Sicherheit nicht. Deshalb möchte ich betonen, dass ich es nur tue, weil mich „Die Falle“ so absolut begeistert hat. So sehr, dass es schwierig und vielleicht nahezu unmöglich ist, an diese Qualität heranzureichen oder sie zu übertreffen. Wobei ich sicher bin, dass Melanie Raabe das Zeug dazu hat.

Jetzt aber zu „Der Schatten“: Melanie Raabe weicht dieses Mal von Stil der beiden ersten Bücher ab. Sie verwendet nicht mehr die Ich-Erzählerin, sondern den personalen Erzähler.

„Der Schatten“ ist ein Thriller, wobei ich gestehen muss, dass wirkliche Spannung für mich erst in der zweiten Buchhälfte aufkam. Dann mochte ich es aber nicht mehr weglegen. Norah ist eine Kämpferin für Frauenrechte. Zornig, einsam, ein wenig verloren in Wien, wo sie gerade erst hingezogen ist. Journalistin, aber auch ein wenig naiv. Ich bin nicht richtig mit ihr warm geworden.

Von einer Bettlerin erhält sie eine merkwürdige Prophezeiung. Sie wird einen Mann töten, der ihr vollkommen unbekannt ist. Norah ist erst skeptisch, lässt sich aber später dann doch darauf ein.

Die Auflösung hat mir sehr gut gefallen. „Der Schatten“ ist mit Sicherheit ein gutes Buch. Leider ist für mich der Funken nicht richtig übergesprungen. Trotzdem gebe ich fünf Sterne, weil meine Erwartungshaltung so hoch war. Und man kann einem Buch nicht vorwerfen, dass es nicht „Die Falle“ ist.

 

geschrieben am 11.09.2018

Buchcover: Der Abgrund in dir (Diogenes Verlag 2018)

 

Der Abgrund in dir

von Dennis Lehane

Mein erster und definitiv nicht mein letzter Lehane

Ich bin so froh, dass ich dieses Buch als Rezensionsexemplar gewonnen habe, denn sonst hätte ich es bestimmt nicht gelesen. Klar, der Klappentext klingt interessant, aber das Cover hat mich nicht vom Hocker gerissen und den Autor kannte ich bis dato auch noch nicht.ABER dieses Buch hat mich echt begeistert. Und zwar noch nicht mal das erste Kapitel, in dem man erfährt, dass Rachel ihren Mann erschießt. Nein, eher die Kapitel danach, obwohl das Buch nach diesem Hammer-Einstieg ganz leise startet. Rachels Kindheit. Ihre Mutter, die sich weigert den Namen von Rachels Vaters zu verraten. Rachels Suche. Der erste Rückschlag. Lehane schreibt total interessant und den Reiz seines Schreibstils macht aus, dass man die Figuren nach und nach entdecken kann. Dass man ihnen erst glaubt und dann ihre Lügen aufdeckt. Und dass trotzdem alles stimmig ist. Dass man sie zwischendurch liebt und hasst.
Sie sind so real. Figurenzeichnung auch allerhöchsten Niveau. Lehane führt einen in die Irre und der Leser zweifelt nicht einen Moment lang an seiner Glaubwürigkeit.

Rachel Childs wird Reporterin und reist nach Haiti, um über die dortigen Naturkatastrophen zu berichten. Was sie dort erlebt, lässt sie aber als tief verwundeten Mensch zurück. Sie erleidet einen Zusammenbruch und traut sich nicht mehr aus dem Haus, geschweige denn Auto zu fahren oder ähnliches. Und ausgerechnet sie gerät dann in einen tödlichen Komplott.Rachel, die Hauptfigur, hat mir am besten gefallen. Es ist toll, in ihre Haut zu schlüpfen und in ihren Kopf zu blicken. Ein Leseerlebnis, dass man so leicht nicht mehr vergisst.
Ich empfehle das Buch uneingeschränkt weiter. Gerade auch und vor allem für Frauen!

 

geschrieben am 26.08.18